Wenn Menschen zur Verhandlungsmasse werden

Wenn Menschen zur Verhandlungsmasse werden

Podiumsdiskussion in Düsseldorf: Warum ukrainische Kriegsgefangene und verschleppte Zivilisten in den Friedensgesprächen nicht fehlen dürfen.

Wer über Frieden in der Ukraine spricht, spricht meist über Frontlinien, Sicherheitsgarantien und Gebietsfragen. Gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus hatten wir am 19. Oktober nach Düsseldorf eingeladen, um über die zu sprechen, die am Verhandlungstisch fehlen: Kriegsgefangene und verschleppte Zivilisten. Die Vereinten Nationen schätzen, dass mehr als 16.000 ukrainische Zivilisten weiterhin in russischer Haft sind.

Die Veranstaltung wurde von der Charitable Foundation „Principle of Hope“ und Razom for Ukraine unterstützt. Julia Chenusha moderierte, Lesya Pullmann dolmetschte.

Stimmen vom Podium

Auf dem Podium saß Maksym Butkevych. Der Journalist und Menschenrechtler trat nach Beginn der Großinvasion in die ukrainische Armee ein, geriet im Juni 2022 in Gefangenschaft und wurde von einem Besatzungsgericht zu 13 Jahren Haft verurteilt. Vor zwei Jahren kam er durch einen Austausch frei, 2025 erhielt er den Václav-Havel-Menschenrechtspreis. Die Gedanken an andere Menschen hätten ihn in der Haft am meisten getragen: „Ich habe nie auch nur eine Sekunde daran gezweifelt, dass diese Menschen dort draußen an mich denken, über mich sprechen und für mich kämpfen. Das war meine besondere Geheimwaffe.“

Liusiena Zinovkina von „Civilni Vilni“ erzählte vom Kampf um ihren Mann Kostiantyn, der seit Mai 2023 in russischer Gefangenschaft ist. Ein Militärgericht in Rostow am Don verurteilte ihn im September zu 28 Jahren Haft, Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Urteil. Valerio Krüger, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, ordnete die Lage ein.

Rechtlich keine Verhandlungsmasse, politisch in Gefahr

Rechtlich sind diese Menschen keine Verhandlungsmasse. Das humanitäre Völkerrecht schützt Kriegsgefangene wie Zivilisten, und Vereinbarungen zwischen Kriegsparteien dürfen daran nichts ändern. Politisch aber droht, was Teilnehmende im Anschluss festhielten: Die Friedensgespräche verlieren ihr menschliches Maß und drehen sich zunehmend um Territorien. Dabei sind es keine menschenleeren Gebiete: Dort leben Tausende unter Besatzung oder sitzen rechtlos in Haft. Gefordert wurde weiterer Druck auf Russland, einen unabhängigen internationalen Kontrollmechanismus für Haftorte zuzulassen. Ein gerechter Frieden, so der Tenor, ist nicht möglich, solange Tausende gefangen bleiben.

Ein bewegender Abschluss

Zum Abschluss sang die Musikerin Mariana Sadovska ein Lied für Maksym Butkevych. Es war ein sehr bewegender Abend zu einem enorm wichtigen Thema. Bleiben wird auch der Wunsch nach besseren Anlässen für ein Wiedersehen.